KLFR 2010 –
Konferenz der Landesfrauenräte 2010 in Saarbrücken
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Fachtagung Samstag, 25.09.2010
Saarbrücker Zeitung, 27.09.2010
Ressort: Wirtschaft /
Verfasser: Von SZ-Redaktionsmitglied Sophia Schül
Wirtschaft soll weiblicher werden
Tagung in Saarbrücken plädiert für eine Neuordnung der Wirtschaftswelt
Mehr weibliche Tugenden im Wirtschaftsleben könnten Krisen effektiver verhindern, so lautete eine These auf der Tagung zu „Frauen und Wirtschaft“ am Wochenende in Saarbrücken.
Saarbrücken. „Frauen wirtschaften anders?!“, so lautete das Thema einer Tagung im Saarbrücker Schloss, bei der am Wochenende Referentinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Finanzwesen die Rolle von Frauen in der Wirtschaft – auch mit Blick auf die Finanzkrise – diskutierten.
Die Ökonomin Adelheid Biesecker aus Bremen trat gleich zu Beginn für eine weiblichere Perspektive in der Wirtschaft ein. Ihrer Meinung nach ist das bestehende Wirtschaftssystem nicht zukunftsfähig, es werde immer neue Krisen produzieren: „Die zentralen Fehler sind Maßlosigkeit und Sorglosigkeit“, sagte sie auf der Tagung. Ein anderes Wirtschaftssystem, eines mit Zukunft, sieht Biesecker durch drei Handlungsprinzipien entstehen: Vorsorgen statt Nachsorgen, Kooperieren statt Konkurrieren und Orientieren am für das gute Leben Notwendigen. Hier setzt an, was die Expertin für feministische Ökologik unter der „Perspektive Frau“ versteht: „Die Handlungsprinzipien sind Bereiche, in denen Frauen jahrhundertelang Erfahrung gesammelt haben.“ Für ein geändertes Wirtschaftssystem forderte Biesecker zudem eine geschlechtergerechte Umverteilung der Arbeit zwischen Mann und Frau.
Einen Umbau des Wirtschaftssystems forderte auch die Bonner Soziologin Christa Wichterich, die das Konzept für die Zukunft ebenfalls in einer veränderten Arbeitsverteilung, zusätzlich aber auch in einer veränderten Arbeitsbewertung sieht: „Die Frauen müssen in der Erwerbsarbeit und die Männer in der Sorgearbeit gleichgestellt werden“, erklärte sie vor den fast ausnahmslos weiblichen Tagungsteilnehmern. Den Kita-Streik des vergangenen Jahres begreift die Soziologin in diesem Zusammenhang als Chance, dass die Gesellschaft die meist von Frauen geleistete Betreuungsarbeit als systemrelevant und gesellschaftserhaltend wahrnehme. Wichterich skizzierte zudem ihren Blick auf die Geschlechterbilder und wie sie durch die Wirtschaftskrise neu gezeichnet wurden: „Der Fokus lag während der Krise auf den Männern – als Opfer und als Schuldige“, sagte sie und fügte an, dass immer mehr Frauen die Rolle der Zuverdienerin gegen die der Familienernährerin tauschen.
Die öffentliche Tagung fand im Rahmen der diesjährigen Bundeskonferenz der 16 Landesfrauenräte statt.
Die Vorträge zum Nachlesen
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Geld zum Spekulieren? Nein – Geld zum LebenFeministische Anmerkungen zur Finanzkrise(Vortrag von Professorin i.R. Adelheid Biesecker) |
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Marktversagen, Verschwendung und bürgerschaftliches EngagementPraktische Lösungsbeiträge in der Wirtschafts- und Finanzkrise(Vortrag von Dr. Eva-Maria Hubert) |
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Gleich, gleicher, ungleich –Frauen, Männer und Arbeit in der Krise(Vortrag von Dr. Christa Wichterich) |
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Survival Kit für die Finanzkrise(Vortrag von Monika Schmitt, Journalistin) |
<Anträge>
pdf-Downloads 16 KB bis 21 KB
Antrag 01: Paritätische Ausgestaltung in der gesetzlichen Krankenversicherung
Antrag 02: Legalisierung und Finanzierung der in Kliniken stattfindenden anonymen
Geburten
Antrag 03: Obduktionspflicht bei plötzlichem Kindstod
Antrag 04: Frauengesundheit– Übernahme von Verhütungskosten für Geringverdienende, Auszubildende und Arbeitslose
Antrag 05: Überarbeitung des Pflegegesetzes im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit
Antrag 06: Altersarmut von Frauen
Antrag 07: Elterngeld
Antrag 08: Ausbau von Kindererziehungszeiten bei der Berechnung der Ruhestands- und
Pensionsbezüge
Antrag 09: Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten und Führungspositionen
Antrag 10: Chancengleichheit im Erwerbsleben
Antrag 11: Entgelt(un)gleichheit zwischen Frau und Mann
Antrag 12: Nachbesserungsbedarf bei den Gesetzen für moderne Dienstleistungen am
Arbeitsmarkt zur Realisierung von mehr Geschlechtergerechtigkeit
Antrag 13: Mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Organisation der Grundsicherung
für Arbeitssuchende
Antrag 14: Keine Vergabe der Arbeitsvermittlung an Private
Antrag 15: Daten zur Situation von Frauen mit Migrationshintergrund
Antrag 16: Abschaffung des Föderalismus im Bildungssystem - Grundgesetzänderung




